Religionen, Religiosität und religiöse Konflikte in der Schule (ReKos)
Religiöse Praxis und Religiosität im säkularen Bildungssystem Deutschlands erfahren seit Jahren mediale, politische und wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit richtet sich bislang nahezu ausschließlich auf muslimische Schüler*innen und ist dabei überwiegend problemorientiert. Meist liegt der Fokus auf Perspektiven der Lehrkräfte und den pädagogischen Herausforderungen mit religiösem Verhalten von Schüler*innen sowie auf Radikalisierungsprävention. Die Dringlichkeit der Bearbeitung des Spannungsfeldes zwischen der Religiosität von Schüler*innen und der Säkularität der deutschen Schulen wächst aufgrund der Ausweitung der Ganztagsschulen und dem Zuwachs an religiöser Pluralität in der Schülerschaft. Der Islam stellt dabei innerhalb einer immer größeren religiösen Diversität die größte religiöse Minderheit in Deutschland dar, insbesondere in jüngeren Bevölkerungsgruppen. Es besteht demnach eine wachsende Anzahl von muslimischen Schüler*innen, deren Religionspraktiken deutlich sichtbarer sind als jene anderer Religionen, womit entsprechend das größte Konfliktpotenzial in der Schule einherzugehen scheint. Es besteht jedoch nur eine unzureichende Datenlage über (1) die tatsächlichen Religionszugehörigkeiten von Schüler*innen in Deutschland, (2) welche individuellen religiösen Bedarfe Jugendliche haben und (3) die Betroffenenperspektive von Schüler*innen bezüglich religiös begründeter Konflikte in der Schule.
Genau hier setzt das geplante explorative Forschungsprojekt an – und zwar mit einem Mixed Methods Design, das qualitative und quantitative Forschungsmethoden kombiniert. In zwei Modulen sollen die aktuellen Forschungslücken zu Religionszugehörigkeit und Religionsausübung sowie den diesbezüglichen Konflikten in der Schule aus Sicht von Jugendlichen geschlossen werden. Eine bundesweite Prüfung der Schulstatistiken ergab, dass Daten zu Religionszugehörigkeiten von Schüler*innen ausschließlich für das Land Nordrhein-Westfalen erhoben werden. In Modul 1.1 wird erstmalig eine systematische Prüfung und Auswertung dieser Daten stattfinden. Parallel dazu wird in Modul 2.1 eine qualitative Befragung von Schlüsselpersonen in Organisationen verschiedener religiöser Minderheiten durchgeführt. Im Fokus stehen die von ihnen wahrgenommenen Spannungen und Konflikte im Zusammenhang mit der Religionsausübung von Jugendlichen (ihrer Gemeinden) während der Schulzeit. Hierfür werden vorrangig diverse muslimische Religionsgemeinschaften in Nordrhein-Westfalen und Hamburg befragt, jedoch auch andere religiöse Minderheiten (u.a. jüdische, alevitische, hinduistische). Im quantitativen Modul 1.2 werden Jugendliche direkt zu ihrer (Nicht-)Religiosität, zur Religionsausübung und diesbezüglichen Spannungen und Konflikten in der Schule befragt. Ziel ist eine umfassende und bisher einmalige Bestandsaufnahme, die sowohl Jugendliche in organisierten Religionsgemeinschaften als auch nicht-organisierte religiöse Jugendliche berücksichtigt. Darüber hinaus werden christliche und nicht-religiöse Jugendliche und junge Erwachsene hinsichtlich ihrer Wahrnehmung bzw. Betroffenheit von religiös konnotierten Konflikten in der Schule befragt. In Modul 2.2 wird eine vertiefende qualitative Untersuchung ausgewählter Fallgruppen stattfinden. Damit leistet das Projekt einen innovativen, empirisch fundierten und gesellschaftlich hochrelevanten Beitrag zu Analyse und Verständnis religiöser Vielfalt und Konfliktdynamiken im deutschen Bildungssystem.
Projektleitung
Projektmitarbeiter*innen
Projektlaufzeit
01.09.2026 - 31.08.2028 (24 Monate)
Projektförderer
Fritz-Thyssen-Stiftung




