Neuigkeiten vom Fachgebiet Migrations- und Bildungssoziologie - Neuer Artikel von Dr. Fatih Bahadir Kaya

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau innerhalb von sechs Minuten neun Menschen mit Migrationshintergrund ermordet – ein paradigmatischer Fall von rechtsextremistischem Terrorismus in Deutschland. Dieser Artikel rekonstruiert das im Manifest des Täters Tobias Rathjen formulierte Feindbild mittels objektiver Hermeneutik. Die Analyse deckt latente Bedeutungsstrukturen auf, die Rathjens Weltbild mit der religiösen Rechten verbinden, insbesondere seine ideologische Nähe zu den Christian Templars in den Vereinigten Staaten. Diese transatlantischen Verflechtungen verstärken seine antimuslimischen und rassistischen Überzeugungen und liefern eine religiös begründete Legitimation für Gewalt gegen das muslimische Andere. Indem das Manifest Rathjens in breitere Debatten über rechtsextremen Terrorismus, Religion und symbolische Gewalt eingeordnet wird, argumentiert die Studie, dass der Anschlag von Hanau nicht auf psychopathologische oder „Lone-Actor“-Modelle reduziert werden kann. Stattdessen veranschaulicht er die anhaltende Verbreitung verschwörerischer mittelalterlicher Vorstellungswelten in zeitgenössischen rechtsextremen Weltanschauungen. Gleichzeitig verweist sie auf die Rolle von Sicherheitsdiskursen, die von der religiösen Rechten artikuliert werden und durch die diese Vorstellungswelten über transnationale Infrastrukturen rechtsextremer Gewalt hinweg mobilisiert und stabilisiert werden. Link zur Publikation





